Aktuelles

‚I <3 Art‘                                                                              Multiples und Editionen von Frauke Beeckim Atelier Brandt Credo vom 6. Oktober bis zum 16. Dezember 2018.

Neonrot. Tausendfach gedruckt. Der Sticker „I <3 Art“. „I Love Art“ weckt Interesse, fordert zur Diskussion heraus, macht auf die Kunst von Frauke Beeck aufmerksam.

Die Künstlerin dazu: „Wir leben in einer schnelllebigen Zeit des digitalen Wandels. Das hat zu neuen Erscheinungsformen von Kunst und Kultur geführt und einer anderen Art der Wahrnehmung. Wir müssen uns auf eine ständige Bewegung und Veränderung einstellen und trotzdem auf Kultur und Kunst aufmerksam machen – es herausschreien, damit wir gehört werden.“ So können die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung im Atelier Brandt Credo aktiv werden – indem sie Sticker mitnehmen, aufkleben, verteilen, versenden und weithin sichtbar machen.

Die Galerie im Altbremer Haus zeigt in der aktuellen Ausstellung Multiples und Editionen, die Frauke Beeck in diesem Umfang erstmalig zusammengestellt hat und beeindruckend ihre Leidenschaft beweisen: I Love Art. Frauke Beecks künstlerische Tätigkeit umfasst Spraybilder, Wandbilder, den jährlichen Wümmekalender, Collagen, Installationen, Objekte und die Herstellung von Funbags. Ihre Arbeiten greifen Themen der Pop-Kultur sowie der Konsumgesellschaft auf. Die komplexen, sich ständig verändernden Bild- und Sprachspiele wollen aber nicht belehren. Sie setzen auf Witz und Ironie, wollen entdeckt werden: „Meine Arbeiten sollen aufmerksam machen.“ Die Arbeiten fordern also zur Diskussion heraus und haben durchaus eine eigene Geschichte zu erzählen.

Die Multiples der Ausstellung liegen der Künstlerin besonders am Herzen. Zu diesen dreidimensionalen Auflagenarbeiten gehören die Schattenbilder aus 2018, ausgeführt mit Lackspray auf Acryl. In dieser Arbeit geht es um eine direkte und artifizielle Verbindung von Kunst und Natur. Flüchtig und schemenhaft scheinen sich die Schatten im Glas zu bewegen… Auch die Serie der Zuckertütchen will beachtet werden: Die Motive zeichnen sich aus durch ein Crossover, einer Spielerei mit Layout, einer neuen Kombination von Bild und Text, mit Bezug zu bekannten Namen und Orten.

Eine lange Entwicklung haben die gesprayten Motive hinter sich: „Mein erstes Spray Painting entstand 1999. Das war eine Arbeit, die auf einer Collage basierte. Die Collage bestand aus einer Werbetüte, die ich mit neuen Worten und neuen Formen kombinierte und im nächsten Schritt auf einen Acylbildträger mit Sprayfarbe übertragen habe.“ Mit Lackspray auf Acryl, Folie und Papier, mit Neonspray auf Papier und Dachpappe wurden aktuell Titel wie I LOVE NY, NEON ,Schnoor und GANTER AUS DEM ALL in einer speziell von der Künstlerin entwickelten Spraytechnik umgesetzt.

Die Konzeption der Ausstellung wäre nicht vollständig ohne die Funbags und eine Box, die aus der Idee des Wümmekalenders entstanden ist.

Erste Funbags entstanden im Jahr 2000: Süßigkeiten- oder Chipstüten aus aller Welt werden zu kleinen Plastik-Täschchen recycelt. Sie können alltägliches aufbewahren oder – wie auch in dieser Ausstellung zu entdecken – als Verpackung für Kunst dienen.

Seit drei Jahrzehnten gestaltet Frauke Beeck den Wümmekalender, der vorwiegend aus Bildern der Wümmeregion besteht. Gezeigt wird ein Schuber mit den Blättern des Wümmekalenders 2016, dessen Einzelblätter eine großformatige Parklandschaft ergeben. Etwas ganz besonderes ist THE WÜMMEBOX: In dieser Arbeit geht es um das Verhältnis von Kunst und Natur, um das Zusammenspiel von Artifiziellem und Natürlichem. So befindet sich in der Box ein Spraybild auf Acryl, das zum Thema einen schwimmenden Fischotter hat, wie er früher – und zum Glück wieder – in der Wümme zu finden ist. Durch das Hinzufügen eines Steines aus der Wümme, also eines realen Stückes Natur, erweitert sie den Landschaftsbegriff und bringt Idee und Realität symbolisch zusammen.

Auf die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung wartet nun eine überraschende Vielfalt an Kreativität, die eindrucksvoll bestätigt „ I <3 Art“!

Frauke Beeck, 1960 in Bremen geboren, lebt und arbeitet in Berlin und Bremen. Seit 1997 zeigt sie ihre Arbeiten in Einzelausstellungen, darunter mehrfach in China. Sie beteiligt sich an Gruppenausstellungen national und international. Arbeiten der Künstlerin befinden sich in öffentlichem und privatem Besitz.

Frauke Beeck hat sich in den letzten Jahren verstärkt im kuratorischen Bereich betätigt, dabei liegt ihr Schwerpunkt auf dem künstlerischen Austausch zwischen Deutschland und China. Ihre erste chinesische Einzelausstellung fand 1998 im Goethe-Institut Beijing statt. 2000 und 2001 wurden Ausstellungsprojekte in Bremen und Beijing realisiert. 2006/2007 folgten Bremen, Göttingen und Shenyang. 2013 stellte Frauke Beeck als erste westliche Künstlerin in Beidaihe, China aus.

Die Arbeiten der Ausstellung ‚I <3 Art‘ können bis zum 16. Dezember im Atelier Brandt Credo, Meyerstr. 145, 28201 Bremen, jeweils sonntags von 16-18 Uhr betrachtet werden. Individuelle Besichtigungstermine sind nach Absprache unter Tel. 55 84 55 jederzeit möglich.

Motiv: „I <3 Art“, Selbstklebende Etiketten in Zettelbox, 2018

 

 

 

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‚Die Nähe des Verlorenen‘

Malerei | Zeichnung | Installation von Maryam Motallebzadeh im Atelier Brandt Credo vom 4. August bis zum 30. September 2018.

Es ist wohl selten, dass so viel Gefühl, so viel Emotionen und Gedanken in eine Ausstellung einfließen. Für die Künstlerin Maryam Motallebzadeh war die Zeit nach dem Tod ihres Vaters im Januar 2018 eine schwere Zeit. Umso wichtiger ist nach Monaten der Trauer die Aufarbeitung der Vergangenheit in der aktuellen Ausstellung, die sich in zwei wesentliche Bereiche gliedert: Zum einen die Rauminstallation mit Gedichten an den Vater, zum anderen die Lockenbilder aus der Reihe ‚Notwendige Briefe‘.

„In meinem Leben war mein Vater sehr nah und sehr wichtig. Wir haben uns oft mit Gedichten begrüßt. Mein Vater war ein Poet für mich“, erinnert sich die Künstlerin. Nicht begehbar, nur durch einen transparenten Vorhang ist die für ‚Die Nähe des Verlorenen‘ konzipierte Rauminstallation zu betrachten: Papierbahnen mit Gedichten des Vaters und Gedichten, die Maryam nach seinem Tod geschrieben hat – mit Tusche in Farsi, der persischen Sprache. Auch die Linien der Locken auf den im Raum hängenden Papierbahnen gehören zur Installation.

Das in der Vorbereitung aufgenommene Foto zeigt die Künstlerin mit einem schwarzen Schleier, dem Zeichen der Trauer. Mit ihrer Hand stützt sie das übermalte Foto vom Grab ihres Vaters mit leuchtend roten Rosen. Im Hintergrund befinden sich die Papierbahnen mit Gedichten und Lockenzeichnungen. „Ich habe in der Trauerzeit sehr viele Locken verloren.“

Maryam Motallebzadeh wurde im Iran geboren und gewann bereits mit dreizehn Jahren den Kunstpreis für Malerei der renommierten Bildungsorganisation Hadaf. Diese Auszeichnung hat schon sehr früh ihren Lebensweg beeinflusst. 1978 gründete sie eine eigene Galerie in Teheran, die sie über zwei Jahrzehnte leitete. 1999 kam sie nach Deutschland, nahm ein Studium auf und machte 2007 ihr Diplom Bildende Kunst an der Hochschule für Künste Bremen. Seit 2002 gab es international Präsentationen und Auftritte mit Raum-, Audio- und Video-Installationen, Performances, Filmen und Medienmix, Arbeitsstipendien, Projektleitungen und Kurationen. Seit 2016 hat sie Lehraufträge an der Universität von Chengdu-Sichuan, China.

Hier nur kurz angerissen eine Auswahl der Ausstellungen seit 2000: In vielen deutschen Städten und international u.a. in Teheran, Bangkok, Barcelona, Wien, Stockholm, Toulouse, Luzern, Toronto, Chengdu-Sichuan. Vielseitigkeit zeichnet die in Berlin und Bremen lebende Künstlerin aus: Sie ist Malerin, Bildhauerin, Filmerin, Performance-Künstlerin, sie ist Perserin, sie ist auch Deutsche, sie ist eine Reisende oder auch eine weit gereiste, eine Botschafterin zwischen den Kulturen und sie ist ein politischer Geist.

Die Ausstellung in der Galerie im Altbremer Haus wäre nicht vollständig ohne die Lockenbilder aus der Reihe ‚Notwendige Briefe‘. Alles begann mit einem Schatten: Als eine ihrer Locken, deren Ende sich zu einem Kreis schloss, einen Schatten auf Papier warf, zog Maryam die Linien nach, schnitt sie ab und ergänzte sie mit einem Punkt zu dem persischen Zeichen für das Wort „Wohin“. Damit begegnen sich auf dem Papier die Sprache und das Merkmal der  gekräuselten Haare. Gemeinsam fragen sie „Wohin?“ Vor einigen Jahren begonnen, wurde diese Reihe auch in 2018 mit Malerei in Mischtechnik auf Leinwand und Zeichnungen in Mischtechnik und Tusche auf Papier weitergeführt. „Ich muss weiterschreiben, es ist notwendig für mich. Ich muss denken -. denken ist für mich Kunst. Viele Gedanken kann ich nicht selbst schreiben, meine Locken schreiben …“, äußert die Künstlerin sehr emotional. Auf die Betrachter der Werke wirken die kräftigen Pinselspuren dynamisch und spontan, bleiben oft rätselhaft. Die Linien und Punkte werden zu lebendigen und offenen Spuren kultureller Identität. Sie werden – und das ist der Künstlerin wichtig – interkulturell lesbar. So bereichert Maryam Motallebzadeh das Kunstgeschehen unserer Zeit, begreift die Künstlertätigkeit als eine Form der Berufung, als Lebenswerk, fernab von sporadischen künstlerischen Eingebungen und Beschäftigungen. Viele Gedanken warten, viele Projekte wollen noch umgesetzt werden!

Die Arbeiten der Ausstellung ‚Die Nähe des Verlorenen‘ können bis zum 30. September im Atelier Brandt Credo, Meyerstr. 145, 28201 Bremen, jeweils sonntags von 16-18 Uhr betrachtet werden. Individuelle Besichtigungstermine sind nach Absprache unter Tel. 55 84 55 jederzeit möglich.

 

 

 

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