Kultur

‚Die Nähe des Verlorenen‘

Malerei | Zeichnung | Installation von Maryam Motallebzadeh im Atelier Brandt Credo vom 4. August bis zum 30. September 2018.

Es ist wohl selten, dass so viel Gefühl, so viel Emotionen und Gedanken in eine Ausstellung einfließen. Für die Künstlerin Maryam Motallebzadeh war die Zeit nach dem Tod ihres Vaters im Januar 2018 eine schwere Zeit. Umso wichtiger ist nach Monaten der Trauer die Aufarbeitung der Vergangenheit in der aktuellen Ausstellung, die sich in zwei wesentliche Bereiche gliedert: Zum einen die Rauminstallation mit Gedichten an den Vater, zum anderen die Lockenbilder aus der Reihe ‚Notwendige Briefe‘.

„In meinem Leben war mein Vater sehr nah und sehr wichtig. Wir haben uns oft mit Gedichten begrüßt. Mein Vater war ein Poet für mich“, erinnert sich die Künstlerin. Nicht begehbar, nur durch einen transparenten Vorhang ist die für ‚Die Nähe des Verlorenen‘ konzipierte Rauminstallation zu betrachten: Papierbahnen mit Gedichten des Vaters und Gedichten, die Maryam nach seinem Tod geschrieben hat – mit Tusche in Farsi, der persischen Sprache. Auch die Linien der Locken auf den im Raum hängenden Papierbahnen gehören zur Installation.

Das in der Vorbereitung aufgenommene Foto zeigt die Künstlerin mit einem schwarzen Schleier, dem Zeichen der Trauer. Mit ihrer Hand stützt sie das übermalte Foto vom Grab ihres Vaters mit leuchtend roten Rosen. Im Hintergrund befinden sich die Papierbahnen mit Gedichten und Lockenzeichnungen. „Ich habe in der Trauerzeit sehr viele Locken verloren.“

Maryam Motallebzadeh wurde im Iran geboren und gewann bereits mit dreizehn Jahren den Kunstpreis für Malerei der renommierten Bildungsorganisation Hadaf. Diese Auszeichnung hat schon sehr früh ihren Lebensweg beeinflusst. 1978 gründete sie eine eigene Galerie in Teheran, die sie über zwei Jahrzehnte leitete. 1999 kam sie nach Deutschland, nahm ein Studium auf und machte 2007 ihr Diplom Bildende Kunst an der Hochschule für Künste Bremen. Seit 2002 gab es international Präsentationen und Auftritte mit Raum-, Audio- und Video-Installationen, Performances, Filmen und Medienmix, Arbeitsstipendien, Projektleitungen und Kurationen. Seit 2016 hat sie Lehraufträge an der Universität von Chengdu-Sichuan, China.

Hier nur kurz angerissen eine Auswahl der Ausstellungen seit 2000: In vielen deutschen Städten und international u.a. in Teheran, Bangkok, Barcelona, Wien, Stockholm, Toulouse, Luzern, Toronto, Chengdu-Sichuan. Vielseitigkeit zeichnet die in Berlin und Bremen lebende Künstlerin aus: Sie ist Malerin, Bildhauerin, Filmerin, Performance-Künstlerin, sie ist Perserin, sie ist auch Deutsche, sie ist eine Reisende oder auch eine weit gereiste, eine Botschafterin zwischen den Kulturen und sie ist ein politischer Geist.

Die Ausstellung in der Galerie im Altbremer Haus wäre nicht vollständig ohne die Lockenbilder aus der Reihe ‚Notwendige Briefe‘. Alles begann mit einem Schatten: Als eine ihrer Locken, deren Ende sich zu einem Kreis schloss, einen Schatten auf Papier warf, zog Maryam die Linien nach, schnitt sie ab und ergänzte sie mit einem Punkt zu dem persischen Zeichen für das Wort „Wohin“. Damit begegnen sich auf dem Papier die Sprache und das Merkmal der  gekräuselten Haare. Gemeinsam fragen sie „Wohin?“ Vor einigen Jahren begonnen, wurde diese Reihe auch in 2018 mit Malerei in Mischtechnik auf Leinwand und Zeichnungen in Mischtechnik und Tusche auf Papier weitergeführt. „Ich muss weiterschreiben, es ist notwendig für mich. Ich muss denken -. denken ist für mich Kunst. Viele Gedanken kann ich nicht selbst schreiben, meine Locken schreiben …“, äußert die Künstlerin sehr emotional. Auf die Betrachter der Werke wirken die kräftigen Pinselspuren dynamisch und spontan, bleiben oft rätselhaft. Die Linien und Punkte werden zu lebendigen und offenen Spuren kultureller Identität. Sie werden – und das ist der Künstlerin wichtig – interkulturell lesbar. So bereichert Maryam Motallebzadeh das Kunstgeschehen unserer Zeit, begreift die Künstlertätigkeit als eine Form der Berufung, als Lebenswerk, fernab von sporadischen künstlerischen Eingebungen und Beschäftigungen. Viele Gedanken warten, viele Projekte wollen noch umgesetzt werden!

Die Arbeiten der Ausstellung ‚Die Nähe des Verlorenen‘ können bis zum 30. September im Atelier Brandt Credo, Meyerstr. 145, 28201 Bremen, jeweils sonntags von 16-18 Uhr betrachtet werden. Individuelle Besichtigungstermine sind nach Absprache unter Tel. 55 84 55 jederzeit möglich.

 

 

 

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‚Menschen unserer Zeit‘

Malerei von Sybille Hentschel im Atelier Brandt Credo vom 5. Mai bis zum 29. Juli 2018.

Wir treffen Menschen. Kaum ein Tag vergeht ohne Begegnungen. Oft nur flüchtig. Haben wir das Mädchen mit der Gitarre oder die junge Frau mit dem Rucksack schon einmal gesehen, kurz wahrgenommen und wieder vergessen? Die Künstlerin Sybille Hentschel hat Menschen und Begegnungen in Fotos festgehalten und in Malerei umgesetzt. Unter dem Titel „Menschen unserer Zeit“ sind die Werke der Künstlerin in der aktuellen Ausstellung in der Galerie im Altbremer Haus zu entdecken.

Sybille Hentschel, 1956 in Friedland geboren, schloss ihr Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee 1980 mit dem Diplom als Modedesignerin ab. In den Folgejahren galt ihr Interesse neben ihrer Tätigkeit als Designerin immer der Malerei. Seit 2000 widmet sie sich der freien künstlerischen Arbeit. Neue Impulse gaben Arbeitsaufenthalte in Paris, im Tessin und in Berlin. Seit 2008 fanden nationale und internationale Einzelausstellungen und Beteiligungen sowie künstlerische Projekte Beachtung.

Bisher haben die Themen Abstraktionen, Formen und Szenen der Großstadt die Arbeiten von Sybille Hentschel maßgeblich geprägt. In den neuen Arbeiten, die jetzt erstmals in diesem Umfang gezeigt werden, sind Formen, Architektur und Landschaft Vergangenheit. Das Interesse an der Darstellung von Menschen steht im Mittelpunkt. Die Motive entstehen nach eigenen Fotos. „Anonym fotografiert. Aus der Situation heraus. Die Menschen sollen sich nicht beobachtet fühlen“, berichtet die Künstlerin. „Details füge ich hinzu. Ich gestalte so, als wenn es wirklich passiert wäre.“ Der Raum um die dargestellten Personen ist komplett ausgeblendet, zusätzliche Elemente können jedoch Teil einer erdachten Geschichte sein. Das Bild wird Ereignis mit Dingen, die uns vertraut vorkommen und doch geheimnisvoll agieren.

Die Besucher der Ausstellung lassen sich auf eine Bildwelt ein, die der eigenen Phantasie Raum lässt. Alle abgebildeten Personen werden mit abgewandtem Gesicht dargestellt. Für die Künstlerin ist wichtig: „Es entsteht eine gewisse Abstraktion. Gesichter werden nicht gezeigt, es werden damit Stimmungen neutralisiert.“ Die Menschen unserer Zeit, wie Sybille Hentschel sie sieht, sind junge, moderne Menschen, die aktiv am Leben teilnehmen. Sie strahlen Kraft und Optimismus aus, oft aber auch eine leichte Verträumtheit, die sich in Körperhaltung und Körpersprache wiederfindet. In der Genauigkeit der Haltungen und Proportionen zeigt sich künstlerische Meisterschaft. Dabei ist das technische Können nicht vorrangig für das Abbild eingesetzt, sondern ganz in den Dienst des Aufbaus einer Atmosphäre, einer Stimmung gestellt, die bei aller Präsenz immer ein Stück Geheimnis und Rätselhaftigkeit behält, wenn beispielsweise ein herrenloser Schirm durch die Szene schwebt. Für den Betrachter bleibt Raum für eigene Interpretationen, eigene Geschichten. Die realistische Malweise unterstützt eigene Gedanken mit dem Spiel von Licht und Schatten, der Eleganz von Faltenwürfen und Rüschungen.

Der Umfang der Ausstellung präsentiert eine Reihe von Geschichten, Geschichten die jedoch noch lange nicht zu Ende erzählt sind. Sybille Hentschel ist gespannt, was ihr künftig begegnet, was sich daraus entwickelt, welche Geschichten entstehen werden. Sie wird sich weiterhin intensiv mit den Feinheiten der Malerei beschäftigen, mit den Farbnuancen, den Lasuren und Farbharmonien. Die Ausstellung im Atelier Brandt Credo kann als Meilenstein auf dem Weg einer künstlerischen Entwicklung gesehen werden und die Besucher haben die Chance, diese Entwicklung zu begleiten.

Die Arbeiten der Ausstellung ‚Menschen unserer Zeit‘ können bis zum     29. Juli im Atelier Brandt Credo, Meyerstr. 145, 28201 Bremen, jeweils sonntags von 16-18 Uhr betrachtet werden.                                    Individuelle Besichtigungstermine sind nach Absprache unter Tel. 55 84 55 jederzeit möglich.

Das Motiv zur Ausstellung: „Das Mädchen mit der Gitarre”, Acryl und Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm, 2018

 

 

 

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