Kultur

‚Menschen unserer Zeit‘

Malerei von Sybille Hentschel im Atelier Brandt Credo vom 5. Mai bis zum 29. Juli 2018.

Wir treffen Menschen. Kaum ein Tag vergeht ohne Begegnungen. Oft nur flüchtig. Haben wir das Mädchen mit der Gitarre oder die junge Frau mit dem Rucksack schon einmal gesehen, kurz wahrgenommen und wieder vergessen? Die Künstlerin Sybille Hentschel hat Menschen und Begegnungen in Fotos festgehalten und in Malerei umgesetzt. Unter dem Titel „Menschen unserer Zeit“ sind die Werke der Künstlerin in der aktuellen Ausstellung in der Galerie im Altbremer Haus zu entdecken.

Sybille Hentschel, 1956 in Friedland geboren, schloss ihr Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee 1980 mit dem Diplom als Modedesignerin ab. In den Folgejahren galt ihr Interesse neben ihrer Tätigkeit als Designerin immer der Malerei. Seit 2000 widmet sie sich der freien künstlerischen Arbeit. Neue Impulse gaben Arbeitsaufenthalte in Paris, im Tessin und in Berlin. Seit 2008 fanden nationale und internationale Einzelausstellungen und Beteiligungen sowie künstlerische Projekte Beachtung.

Bisher haben die Themen Abstraktionen, Formen und Szenen der Großstadt die Arbeiten von Sybille Hentschel maßgeblich geprägt. In den neuen Arbeiten, die jetzt erstmals in diesem Umfang gezeigt werden, sind Formen, Architektur und Landschaft Vergangenheit. Das Interesse an der Darstellung von Menschen steht im Mittelpunkt. Die Motive entstehen nach eigenen Fotos. „Anonym fotografiert. Aus der Situation heraus. Die Menschen sollen sich nicht beobachtet fühlen“, berichtet die Künstlerin. „Details füge ich hinzu. Ich gestalte so, als wenn es wirklich passiert wäre.“ Der Raum um die dargestellten Personen ist komplett ausgeblendet, zusätzliche Elemente können jedoch Teil einer erdachten Geschichte sein. Das Bild wird Ereignis mit Dingen, die uns vertraut vorkommen und doch geheimnisvoll agieren.

Die Besucher der Ausstellung lassen sich auf eine Bildwelt ein, die der eigenen Phantasie Raum lässt. Alle abgebildeten Personen werden mit abgewandtem Gesicht dargestellt. Für die Künstlerin ist wichtig: „Es entsteht eine gewisse Abstraktion. Gesichter werden nicht gezeigt, es werden damit Stimmungen neutralisiert.“ Die Menschen unserer Zeit, wie Sybille Hentschel sie sieht, sind junge, moderne Menschen, die aktiv am Leben teilnehmen. Sie strahlen Kraft und Optimismus aus, oft aber auch eine leichte Verträumtheit, die sich in Körperhaltung und Körpersprache wiederfindet. In der Genauigkeit der Haltungen und Proportionen zeigt sich künstlerische Meisterschaft. Dabei ist das technische Können nicht vorrangig für das Abbild eingesetzt, sondern ganz in den Dienst des Aufbaus einer Atmosphäre, einer Stimmung gestellt, die bei aller Präsenz immer ein Stück Geheimnis und Rätselhaftigkeit behält, wenn beispielsweise ein herrenloser Schirm durch die Szene schwebt. Für den Betrachter bleibt Raum für eigene Interpretationen, eigene Geschichten. Die realistische Malweise unterstützt eigene Gedanken mit dem Spiel von Licht und Schatten, der Eleganz von Faltenwürfen und Rüschungen.

Der Umfang der Ausstellung präsentiert eine Reihe von Geschichten, Geschichten die jedoch noch lange nicht zu Ende erzählt sind. Sybille Hentschel ist gespannt, was ihr künftig begegnet, was sich daraus entwickelt, welche Geschichten entstehen werden. Sie wird sich weiterhin intensiv mit den Feinheiten der Malerei beschäftigen, mit den Farbnuancen, den Lasuren und Farbharmonien. Die Ausstellung im Atelier Brandt Credo kann als Meilenstein auf dem Weg einer künstlerischen Entwicklung gesehen werden und die Besucher haben die Chance, diese Entwicklung zu begleiten.

Die Arbeiten der Ausstellung ‚Menschen unserer Zeit‘ können bis zum     29. Juli im Atelier Brandt Credo, Meyerstr. 145, 28201 Bremen, jeweils sonntags von 16-18 Uhr betrachtet werden.                                    Individuelle Besichtigungstermine sind nach Absprache unter Tel. 55 84 55 jederzeit möglich.

Das Motiv zur Ausstellung: „Das Mädchen mit der Gitarre”, Acryl und Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm, 2018

 

 

 

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‚Flussziege‘ Holzarbeiten von Reinhard Osiander

von Niels Behn am 27. Februar 2018

Neue Ausstellung im Atelier Brandt Credo

‚Flussziege‘ Holzarbeiten von Reinhard Osiander im Atelier Brandt Credo vom 3. März bis zum 22. April 2018.

Ein Atelier in der Bremer Neustadt. Von Uneingeweihten nur schwer zu finden. Vor dem Eingangstor liegen massige Baumstämme, Äste und unbearbeitete Hölzer. Ein rustikaler Anblick in einer rustikalen Umgebung. Hinter dem Tor, im großen Atelierraum, tut sich jedoch eine neue Welt auf: Holzskulpturen, roh oder bemalt, Wandobjekte, Tiere in Lebensgröße scheinen auf ihren Auftritt zu warten. Eine wuchtige Arbeit zieht sofort den Blick an: Das im Maßstab stark vergrößerte „Kriegsschiff“. Als Vorlage diente ein kantiges, graues Schiffsmodell vom Flohmarkt, das nun angestaubt im Regal steht. Das von Reinhard Osiander geschaffene „Kriegsschiff“ wird bald – ins rechte Licht gerückt – die Blicke in der neuen Ausstellung im Atelier Brandt Credo auf sich ziehen.

Mit dem Ausstellungstitel „Flussziege“ verbindet der Bildhauer Erinnerungen an die eigene Kinder- und Jugendzeit, Erinnerungen an Spiele, Ausflüge, Abenteuer. Ihn inspiriert auch Gefundenes, wie Figuren vom Flohmarkt, Postkarten und eigene Fotos. Es sind Schätze, die in einem Schrank im Bildhaueratelier verwahrt und als Vorlage für neue Holzarbeiten gedacht sind.

Ganz nah an der Natur – vom Material und vom Thema – sind die Wandobjekte einer Schneelandschaft, einer Klamm oder eines gestauten Bachs. „Was haben wir als Kinder gemacht? Staudämme gebaut.“ Aus verschiedenen Hölzern, teils nur gesägt, teils mit Beitel und Schnitzmesser bearbeitet, entstehen neu zusammengefügt Landschaften und Szenen aus der Natur. Der Farbauftrag vollendet die bildhauerische Arbeit. Reinhard Osiander trägt Farbe aus selbst angerührten Pigmenten in mehreren Schichten auf und schleift sie mehrmals wieder ab. So entsteht ein Wechselspiel zwischen einem malerischen Prozess und einer bildhauerischen Antwort.

In ausdrucksvoller und markanter Handschrift werden weitere Erinnerungen wach: Reitende Cowboys bilden einen Fries. Ministranten in festlichen Gewändern stehen in einer Gruppe abwartend zusammen. Das „Schloss“ war Ausflugsziel – „da mussten wir immer hin.“ Vielleicht hat sogar noch die goldene Gans aus dem Märchen der Gebrüder Grimm ihren Auftritt. Der Rundgang durch die Ausstellung im Altbremer Haus wäre nicht komplett ohne die Beachtung einer Vogelgruppe, die sich auf Holzsockeln versammelt hat und zum neugierigen und genauen Hinschauen animiert.

Der Bildhauer Reinhard Osiander wurde 1967 in Bobingen, Bayern geboren. Nach seiner Ausbildung zum Holzbildhauer in Berchtesgaden studierte er von 1995 bis 2003 im Bereich Bildhauerei an der Hochschule für Künste in Bremen bei Professor Bernd Altenstein. Das Studium schloss er 2003 mit Diplom ab und machte 2004 den Meisterschülerabschluss. Er arbeitet als freier Künstler in Bremen. In Einzel- und Gruppenausstellungen waren seine Arbeiten bisher zu verschiedenen Themen zu sehen. Eine Reihe von Arbeiten befindet sich im öffentlichen Besitz und in Sammlungen.

Die Arbeiten der Ausstellung ‚Flussziege‘ können bis zum 22. April im Atelier Brandt Credo, Meyerstr. 145, 28201 Bremen, jeweils sonntags von 16-18 Uhr betrachtet werden. Individuelle Besichtigungstermine sind nach Absprache unter Tel. 55 84 55 jederzeit möglich.

Das Motiv zur Ausstellung: „Reiter”, Pappel bemalt, 45 x 50 x 5 cm, 2016

 

 

 

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Gastfeld Latest Pop Nights mit Lion Sphere

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